ZENPOSAN BENDOJI
ZenDojo Bern
DHARMA
 

Das Tor der höchsten Wirklichkeit ist frei von dualistischer Erkenntnis. In der Selbstverwirklichung gibt es keine Zeit; sie geht über alle Bereiche, die zu den verschiedenen Stufen gehören, hinaus.

Lankavatara Sutra

 

Da seufzte Kuan-yin tief und sprach die folgenden Verse:

In frühen Zeiten vollbracht´er vergeblich viel Wunder an Kühnheit. Doch einst in der Finsternis seines Herzens macht´er zunichte das Pfirsichbankett des Himmels, und toller Übermut trieb ihn den Patriarchen des Tao, den Würdigen, zu berauben. Nicht konnten besiegen ihn hunderttausend himmlische Kämpfer. Durch alle neun Sphären versetzt´er in Schrecken die Reiche des Himmels. Zuletzt aber fand er in Buddha Tathagata seinen Bezwinger. Wird er dereinst wohl befreit und gewinnt er den Ruhm sich, den alten?

Wu Chéng-en, Monkeys Pilgerfahrt

 

 

Blumen blühen im Feuer / Blüten öffnen sich von alleine / Blütenblätter fallen / Früchte erscheinen / Früchte fallen / ins Bodenlose

Hogen Shuei

 

 

Es gibt einen leichten Weg, Buddha zu werden:
Nichts Böses wirken, an Leben und Tod nicht haften.
Mit allen Lebewesen tiefes Mitleid hegen,
das Oben ehren, mit dem Unten Erbarmen haben,
nichts hassen,
nichts verlangen,
nichts im Herzen bedenken,
um nichts Leid tragen –
Dies nenne ich Buddha.
Suche sonst nichts.

 

Auf Blatt und Gräsern,
harrend der Morgensonne,
rasch der Tau hinschmilzt.
Eile nicht so, du Herbstwind,
der auf dem Feld sich erhebt.
Wem vergleiche ich wohl
Welt und des Menschen Leben?
Dem Mondesschatten,
wenn er im Tautropfen berührt
des Wasservogels Schnabel.

Dógen

 

kein Zazenkai - >doch eigentlich endet ein Sesshin nie. <

Hôgen Shuei

 

Glaube nicht an die Macht von Traditionen, auch wenn sie über viele Generationen hinweg und an vielen Orten in Ehren gehalten wurden. Glaube an nichts, nur weil viele Leute davon sprechen. Glaube nicht an die Weisheiten alter Zeit. Glaube nicht, dass deine eigenen Vorstellungen dir von einem Gott eingegeben wurden. Glaube nichts, was nur auf der Autorität deiner Lehrer oder Priester basiert. Glaube das, was du durch Nachforschungen selbst geprüft und für richtig befunden hast und was gut ist für dich und für andere.


Gautama Buddha aus der Kalama Sutta

 

Wer an einem stillen Orte wohnt und sich mit wenigen Dingen begnügt, der hört
darin die Weisheit des „Kleinen-Fahrzeugs“. Wer mit großem und weitem Geist die Tugend-Schatzkammer gewinnt und mit vielen Buddhas vertraut ist, der hört darin die Lehre des „Größen-Fahrzeugs“. In einer Welt wohnend, hört man darin die Lehre von einem „Fahrzeug“, oder von zwei, oder drei, oder vier, oder fünf, u.s.w. bis zu unermeßlichen „Fahrzeugen“.


Das Wissen und die Werke haben verschiedene Arten, aber die Erlösung ist
immer dieselbe, wie der eine und derselbe Raum der Leere. Die wunderbare Stimme Buddhas ist ebenso immer dieselbe, aber sie wird je nach den Kräften der Hörenden auf verschiedene Weise gehört. Die wunderbare Stimme Buddhas ist die Folge seiner vergangenen Tugend-Werke. Buddha hat keine Neigung zu diesem oder zu jenem, und doch kann er sowohl diesem als auch zu jenem mit einem Worte antworten.

Das Kegon Sutra
Das Buch vom Eintreten in den Kosmos der Wahrheit

 

>Das Leben kann damit verglichen werden, daß zum Beispiel ein Mensch in ein Boot steigt: in diesen Boot setzte ich den Mast, ich führe das Ruder und ich bediene die Segel. Ich werde von dem Boot getragen, und es gibt (eigentlich) kein Ich abgesehen von (meinem Handeln mit) dem Boot. Durch mein Handeln mit dem Boot wird dieses Boot erst zu einem (wirklichen) Boot. Laßt uns nun diese Augenblicke (des Handelns) erfahren und genau erforschen. In diesen Augenblicken gibt es nämlich nur die Welt des Bootes. Der Himmel, das Wasser und die Küste kommen zusammen und werden zu diesen Augenblicken im Boot, die sich vollständig von anderen Augenblicken unterscheiden, in denen das Boot kein (wirkliches) Boot ist. Deshalb ist das Leben das, was ich mit dem Leben mache, und ich bin das, was das Leben mit mir macht. Während ich in dem Boot bin, sind mein Körper und Geist, die Umstände und ich das Wesentliche dieser Augenblicke im Boot, und die Erde und der ganze Raum sind das Wesentliche dieser Augenblicke im Boot. Dies ist so, weil ich das Leben bin und das Leben ich ist.<

Meister Dôgen, Shôbôgenzô, Kap. 41 Zenki, Heidelberg 2003

>Das Leben ist die Verwirklichung der Dynamik des ganzen Universums, und der Tod ist die Verwirklichung der Dynamik des ganzen Universums<

Engo Bukka Zenji goroku, Kap. 17

 

Glaube nicht an die Macht von Traditionen, auch wenn sie über viele Generationen hinweg und an vielen Orten in Ehren gehalten wurden.

Glaube an nichts, nur weil viele Leute davon sprechen.

Glaube nicht an die Weisheiten alter Zeit.

Glaube nicht, dass deine eigenen Vorstellungen dir von einem Gott eingegeben wurden.

Glaube nichts, was nur auf der Autorität deiner Lehrer oder Priester basiert.

Glaube das, was du durch Nachforschungen selbst geprüft und für richtig befunden hast und was gut ist für dich und für andere.


Gautama Buddha aus der Kalama Sutta

 

 

Es wird gegessen was auf den Tisch kommt.
oder
Wir sind alle hier um unsere Suppe auszulöffeln.
oder
Unzählig sind die Tore der Wahrheit,
ich gelobe,
sie alle zu durchschreiten.

Hogen Shuei

 

>Für uns alle ist die Welt verwirrend, und wenn man es nüchtern betrachtet, besteht der Unterschied zwischen einem Gesunden und einem Kranken vor allem im Ausmaß der Fähigkeit, das Verwirrende an der Oberfläche zu kaschieren. Darunter tobt das Chaos.
Auch für einen einigermaßen Gesunden ist die Ordnung im Kopf nur eine Fiktion des Verstandes…<

Arno Geiger, Der alte König in seinem Exil

 

 

四諦 Shitai Die vier edlen Wahrheiten

道諦, dōtai:
Der Weg zur Befreiung vom Leiden.

 

Der achtfache Pfad 八正道
jap.: hasshōdō skr.: āryāşţāńgika-mārga

正見, shōken: Rechte Ansicht, 正思惟, shōshiyui: Rechter Entschluss,

正語, shōgo: Rechte Rede, 正業, shōgyō: Rechtes Handeln,

正命, shōmyō: Rechte Lebensführung, 正精進, shōshōjin: Rechte Anstrengung,

正念, shōnen: Rechtes Denken, 正定, shōjō: Rechte Meditation.

 

"Zazenkai - Texte"

 

Teisho / Kusen - Hôgen Shuei 14.04.2006
Schweigen ist nicht einfach gleich nicht sprechen.


Wenn ich während einem Sesshin wünsche, dass nicht gesprochen wird, geht es mir nicht um den Wunsch nach Ruhe. Es geht lediglich darum, dass wir üben von unseren Gewohnheiten zu lassen.

In Abhängigkeit von Gewohnheit entsteht Selbstsucht. Die Sucht nach einem eigenständigen, autarken, individuellem Selbst.  In Abhängigkeit von Selbstsucht entsteht Fürsorge/Selbstverteidigung. In Abhängigkeit davon wiederum Streit, Hass, Krieg und Verleumdung. In Abhängigkeit von Liebem  entsteht Streit, das sagte schon Shakyamuni Buddha.
Manche lieben das „Nicht-Reden“ und sind bereit, deswegen aus ihrem Herzen eine Mördergrube zu machen.

Sosan meinte: “Irrtum erzeugt Ruhe und Chaos - Shinjinmei - Erwachen ist ohne Zuneigung und Abneigung“.  Das Sesshin hat kein Ende. Schweigen ist mehr als nicht sprechen. Es gibt keinen Ort wo man das Haupt hinlegen könnte. Den Geist erwachen lassen. Nirgendwo wohnen - Hauslosigkeit heisst nichts anderes, als bereit zu sein seine Gewohnheiten aufzugeben.
Wir müssen lernen das Ungewohnte zum Gewohnten zu machen und das Gewohnte zum Ungewohnten. Sind wir für uns selbst ungewöhnlich, dann leben wir in der Hauslosigkeit.
 
Der einzige Ort wo es sich  wohnen lässt ist der Nicht-Ort (U-Topia). Wir sind nichts anderes als diese Utopia. Immer nur hier und jetzt, bereit alle torlosen Tore zur Wahrheit zu durchschreiten.

Schweigen ist ein anderes Wort für Nirvana.

 

Wie man übt und Erleuchtung erlangt


Was die Ursachen und Bedingungen dieser großen Angelegenheit betrifft, so ist so ist sie eigentlich in jedem vorhanden; sie ist bereits vollständig in dir, ohne Mangel. Die Schwierigkeit ist, dass seit anfangslosen Zeiten Samen der Leidenschaft, täuschendes Denken, emotional bestimmte Begrifflichkeit
und tief verwurzelte angewöhnte Neigungen dieses wunderbare Leuchten verdunkelt haben. Du kannst es nicht tatsächlich erfassen, weil du in täuschenden Gedanken über Körper, Geist und die Welt gefangen bist; analysierend und grübelnd. Aus diesem Grund wanderst du durch den Kreislauf
von Geburt und Tod. Alle Erwachten und alten Meister sind jedoch in der Welt erschienen und haben zahllose Worte und förderliche Mittel gebraucht, um Ch’an zu erklären und die Lehre zu verdeutlichen.
Indem sie auf verschiedene Ausgangspositionen eingehen, sind alle diese förderlichen Mittel wie Werkzeuge, um unseren Geist des Anhaftens zu zerschlagen und die Erkenntnis hervorzubringen, dass die Dinge oder das Ich keine wahre Substanz besitzen.

Was gemeinhin als Übung bekannt ist, heisst einfach, mit dem aktuellen Geisteszustand übereinzustimmen, um die täuschenden Gedanken und die Spuren der Gewohnheits-Neigungen zu läutern und
loszulassen. Darauf deine Anstrengungen zu richten wird Übung genannt. Wenn innerhalb eines einzigen Augenblicks die täuschenden Gedanken plötzlich enden, wirst du deinen eigenen Geist bis auf
den Grund wahrnehmen und erkennen, dass er gewaltig und offen ist, hell und leuchtend - in sich vollkommen und vollständig.

Grundlagen der Übung und Erleuchtung für Anfänger
Han-shan Te-ching (1546-1623)

 

Majjhima Nikaya, Mittlere Sammlung

M. 10. (I,10) Satipatthāna Sutta, Die Pfeiler der Einsicht

Wie aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Geistobjekten in der Betrachtung der Geistobjekte? Da wacht, ihr Mönche, der Mönch bei den Geistobjekten über das Erscheinen der fünf Hemmungen.Wie aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Geistobjekten über das Erscheinen der fünf Hemmungen?

  1. Da merkt, ihr Mönche, der Mönch wenn Sinnenlust (kāma-cchanda) in ihm ist 'In mir ist Sinnenlust', merkt wenn kein Sinnenlust in ihm ist 'In mir ist kein Sinnenlust'. Er merkt es wenn Sinnenlust sich eben erst entwickelt, merkt es wenn die deutlich gewordene Sinnenlust aufgehoben wird, und merkt es wenn die aufgehobene Sinnenlust künftig nicht mehr erscheint.

  2. Er merkt wenn Übelwollen (vyāpāda) in ihm ist 'In mir ist Übelwollen', merkt wenn kein Übelwollen in ihm ist 'In mir ist kein Übelwollen'. Er merkt es wenn Übelwollen sich eben erst entwickelt, merkt es wenn der deutlich gewordene Übelwollen aufgehoben wird, und merkt es wenn der aufgehobene Übelwollen künftig nicht mehr erscheint.

  3. Er merkt wenn Stumpfheit und Mattheit (thīna-middha) in ihm ist 'In mir ist Stumpfheit und Mattheit', merkt wenn keine Stumpfheit und Mattheit in ihm ist 'In mir ist keine Stumpfheit und Mattheit'. Er merkt es wenn Stumpfheit und Mattheit sich eben erst entwickelt, merkt es wenn die deutlich gewordene Stumpfheit und Mattheit aufgehoben wird, und merkt es wenn die aufgehobene Stumpfheit und Mattheit künftig nicht mehr erscheint.

  4. Er merkt wenn Aufgeregtheit und Gewissensunruhe (uddhaccha-kukkuccha) in ihm ist 'In mir ist Aufgeregtheit und Gewissensunruhe', merkt wenn keine Aufgeregtheit und Gewissensunruhe in ihm ist 'In mir ist keine Aufgeregtheit und Gewissensunruhe'. Er merkt es wenn Aufgeregtheit und Gewissensunruhe sich eben erst entwickelt, merkt es wenn die deutlich gewordene Aufgeregtheit und Gewissensunruhe aufgehoben wird, und merkt es wenn die aufgehobene Aufgeregtheit und Gewissensunruhe künftig nicht mehr erscheint.

  5. Er merkt wenn skeptischer Zweifel (vicikicchā) in ihm ist 'In mir ist skeptischer Zweifel', merkt wenn kein skeptischer Zweifel in ihm ist 'In mir ist kein skeptischer Zweifel'. Er merkt es wenn skeptischer Zweifel sich eben erst entwickelt, merkt es wenn der deutlich gewordene skeptische Zweifel aufgehoben wird, und merkt es wenn der aufgehobene skeptische Zweifel künftig nicht mehr erscheint.

Alle Lebewesen sind von Natur Buddha,
so wie Eis von Natur Wasser ist.
Getrennt von Wasser ist kein Eis,
getrennt von Wesen ist kein Buddha.

Sie wissen nicht, wie nahe Er ist,
vergeblich suchen sie in der Ferne!
Wie jemand inmitten von Wasser durstig schreit;
Wie ein Kind aus wohlhabendem Hause unter Armen wandelt.

Verloren auf den dunklen Wegen der Unwissenheit
Wandern sie durch die sechs Welten,
von dunklem Pfad zu dunklem Pfad –
wann endlich werden sie frei sein von Geburt und Tod?

Das Zazen im Mháyána kann mit Worten nicht gepriesen werden.
Geben, Tugend, die anderen Vollkommenheiten,
Anrufung des Buddha, Reue und Übung,
die unendlich vielen guten Taten –
sie alle gründen im Zazen.

Wer Zazen nur einmal übt,
wischt hinweg Übles von Anfang an.
Wo sind dann all die dunklen Wege?
Das Reine Land selbst ist nah.

Wer diese Wahrheit auch nur einmal hört
Und ihr dankbaren Herzens lauscht,
sie hochschätzt und zutiefst verehrt,
empfängt den Segen grenzenlos.

Mehr noch die, die umkehren, eintreten
und die eigene wahre Natur bezeugen:
Selbst-Natur, die Nicht-Natur ist.
Sie haben alle bloßen Worte überwunden.

Das Tor der Einheit von Ursache und Wirkung öffnet sich,
der Pfad der Nicht-Zweiheit und Nicht-Dreiheit liegt offen.
Formlose Form wird zu Form.
Gehend und zurückkehrend nirgendwohin gehen,
das Denken des Nicht-Denkens zum Denken machend,
wird Gesang und Tanz sogar zur Stimme des Dharma.

Wie endlos und frei ist der Samádhi-Himmel!
Wie klar ist der Vollmond der Weisheit!
Wahrhaftig, was fehlt nun noch?
Nirvána ist hier, vor unseren Augen.
Dieser Ort ist das Lotos-Land.
Dieser Körper ist der Buddha-Körper.

Hakuin, Lied des Zazen, zazen wasan

VIII. Pataligama, Udána


8.1
Es gibt ein Reich, wo die vier Elemente,
Aus denen sich die Welt aufbaut, nicht sind.
Es ist nicht das der Raumunendlichkeit,
Nicht das, wo Wahrnehmung unendlich ist,
Nicht das des Nichts und nicht das Grenzgebiet,
Wo Wahrnehmung nicht ist und doch nicht fehlt.
Es ist nicht diese Welt und keine andre.
Dort gibt es keine Sonne, keinen Mond.
Das nenn' ich, Kommen nicht noch Gehen
Noch Stehenbleiben, auch nicht Untergehen
Und Neuerscheinen; es ist ohne Stütze,
Auch ohne Wandlung, ohne Gegenstände,
Und alles Leiden findet dort sein Ende.


8.2
Schwer ist die Nicht-Ich-Lehre zu verstehen;
Die Wahrheit wird ja niemals gern gesehen.
Nur wer sie kennt, der wird vom Drang befreit
Und er durchschaut der Dinge Nichtigkeit.


8.3
Es gibt, ein Nichtgeborenes, Nichtgewordenes,
Nichtgeschaffenes, Nichtaufgebautes.
Wenn es, dieses Nichtgeborene, Nichtgewordene,
Nichtgeschaffene, Nichtaufgebaute nicht gäbe,
Dann wäre ein Ausweg aus dem Geborenen, Gewordenen,
Geschaffenen, Aufgebauten nicht zu erkennen.
Da es aber, das Nichtgeborene, Nichtgewordene,
Nichtgeschaffene, Nichtaufgebaute gibt,
Darum ist ein Ausweg aus dem Geborenen, Gewordenen,
Geschaffenen, Aufgebauten zu erkennen.

8.4
Wer an etwas hängt, hat Unruhe;
Wer an nichts hängt, hat keine Unruhe.
Wo keine Unruhe ist, da ist Ruhe;
Wo Ruhe ist, da ist keine Sinneslust;
Wo keine Sinneslust ist, da ist kein Kommen und Gehen
Wo kein Kommen und Gehen ist,
Da ist kein Vergehen und Entstehen;
Wo kein Vergehen und Entstehen ist,
Da ist weder diese noch jene Welt,
Noch was zwischen beiden liegt. Dies ist des Leidens Ende.

In Zazen zu sitzen bedeutet nicht, Zen-Konzentration zu erlernen. Es ist einzig das Dharma-Tor des Friedens und der Freude. Es ist die Praxis und Erfahrung, in der das Erwachen vollkommen verwirklicht wird. Die kosmische Ordnung verwirklicht sich beim Zazen unmittelbar, ohne das geringste Hindernis und ohne die geringste Einschränkung.Wenn ihr dies wirklich erfasst, werdet ihr wie die Drachen in ihrem Gewässer und wie die Tiger auf ihrem Berg sein. Ihr müsst vor allem wissen, dass Unklarheit und Zerstreuung sofort verschwinden, wenn sich die wahre Wirklichkeit auf natürliche Weise vor euch offenbart.Deshalb bitte ich euch, edle Gefährten, die ihr die Wahrheit durch die Erfahrung erforscht: Erschreckt nicht vor dem wahren Drachen, weil ihr euch an seine Abbilder gewöhnt habt. Richtet eure Anstrengungen auf den Weg, der direkt zugänglich und unkompliziert ist. Verehrt die Menschen, die aufgehört haben zu studieren und nichts mehr suchen.

FUKANZAZENGI  Eihei Dôgen

Bedrohliche Gäste

Das Wunderbare an uns Menschen ist, daß wir zwei Vererbungssysteme besitzen – ein chemisches und ein kulturelles. Das chemische System gründet sich auf DNS-Fadenmoleküle und andere Teile unserer Zellen und bestimmt, was wir sein können. Das kulturelle System besteht aus der Zwiesprache zwischen den Generationen und bestimmt, was wir dann werden. Unser chemisches System erhebt uns kaum über andere Tiere, doch unser kulturelles System ist in der Natur ohne Beispiel. Seine formende Kraft schenkt uns Sprache, Kunst, Wissenschaft und sittliche Verantwortung. Beide Vererbungssysteme tragen Wissen mit hoher Verläßlichkeit von einer Generation zur anderen, machen jedoch gelegentlich Fehler. Übermittlungsfehler – sogenannte Mutationen – im chemischen System verändern unseren Körper und solche im kulturellen System unser Verhalten. Langfristig schützen uns diese Fehler vor biologischer und kultureller Erstarrung, doch kurzfristig können sie in Katastrophen münden. Im frühen Mittelalter bewirkte die Tay-Sachs-Mutation im chemischen System eines osteuropäischen Aschkenasen, daß dessen Gehirn verkümmerte und vielen seiner heutigen Nachkommen das gleiche Schicksal droht. Und das 20.Jahrhundert hat uns wieder einmal daran erinnert, welche Grauen kulturelle Mutationen bewirken können.
Welches dieser beiden Vererbungssysteme ist dafür verantwortlich, daß Menschen verschiedener Kulturen so unterschiedlich denken und handeln? Vielleicht ist es manchmal keines der beiden, sondern ein Parasit, der sich unseres Gehirns bemächtigt.
Daß Parasiten das Verhalten von Tieren verändern können, ist eindeutig erwiesen. Wenn gewisse Fadenwürmer landbewohnende Heuschrecken oder Grillen infizieren, scheiden sie Eiweiße und andere nervenaktive Stoffe aus, die den Schwersinn und wahrscheinlich auch andere Gehirnfunktionen des Insekts verändern. Sobald der Fadenwurm im Insekt seine volle Größe und seine Geschlechtsreife erreicht hat, verliert das Insekt seine Scheu vor Wasser, stürzt sich selbst mörderisch in den nächsten Wassertümpel und entläßt in seinem Todeskampf den fast dreimal längeren Fadenwurm. Dieser schwimmt sofort davon, um sich einen Paarungspartner zu suchen. Und wenn Larven eines Saugwurms den im Pazifik lebenden Killifisch infizieren, wirft dieser seine angeborene Vorsicht über Bord und macht durch wilde Kapriolen und Körperverdrehungen an der Meeresoberfläche Raubvögel auf sich aufmerksam. Diese fressen deshalb im Durchschnitt etwa dreissigmal mehr infizierte als gesunde Fische. Der biologische Sinn dieser Gehirn wäsche gründet im Lebenszyklus des Saugwurms, der drei verschiedene Wirte benötigt. Der Wurm bildet seine Eier im Darm von Vögeln, welche die Eier in Salzsümpfe an der kalifornischen Pazifikküste ausscheiden. Dort frißt sie eine Schnecke, in der sie sich zu Larven entwickeln. Die Larven infizieren einen Killifisch und kehren schließlich mit diesem in einem Vogeldarm zurück.
Noch eindrücklichere Beispiele liefern intelligente Säugetiere wie Mäuse und Ratten. Wenn der einzellige Parasit Toxoplasma gondii diese infiziert, nistet er sich bevorzugt in die Gehirnregionen ein, welche Emotionen und Furcht steuern. Als Folge davon verkehrt sich die angeborene Furcht der Nager vor Katzenduft in ihr Gegenteil: Sie wird zur tödlichen Vorliebe. Dies erhöht natürlich die Chance, daß die infizierten Tiere einer Katze zum Opfer fallen – und der Parasit in eine Katze zurückkehren kann. Toxoplasma gondnii kann nämlich nur im Darm von Katzenarten eierähnliche Oozysten bilden, die dann in einen warmblütigen Zwischenwirt – zum Beispiel eine Ratte – gelangen müssen. Der Parasit verändert das Verhalten von Ratten und Mäusen sehr gezielt, denn er läßt deren angeborene Furcht vor offenen Flächen oder unbekannter Nahrung unverändert.
Auch wir können für Toxoplasma gondii Zwischenwirt sein – und Milliarden von uns sind es auch, weil wir mit Oozysten verseuchtes ungewaschenes Gemüse oder rohes Fleisch verzehren oder nicht bedenken, daß auch die putzige Hauskatze uns die Oozysten schenken kann. In Großbritannien fanden sich vor einigen Jahren in fast vierzig Prozent aller angebotenen Fleischprodukte Toxoplasma-gondii-Gene, und dieser Prozentsatz dürfte in vielen ärmeren Ländern noch höher sein. So verwundert es nicht, daß etwa ein Drittel aller Nordamerikaner und fast die Hälfte aller Schweizer in ihrem Blut Antikörper gegen den Parasiten tragen – ein untrügliches Zeichen dafür, daß sie einmal infiziert waren oder es noch immer sind. Viele Infektionen werden nämlich nicht erkannt und bleiben für den Rest des Lebens bestehen, ohne auffallende Schäden anzurichten. Bei Schwangeren, die gegen den Parasiten noch nicht immun sind, kann eine Infektion allerdings die Mißbildung oder den Tod des Embryos verursachen – und bei einigen Menschen vielleicht sogar Schizophrenie auslösen. Tatsächlich sind einige gegen Schizophrenie eingesetzte Medikamente auch gegen Toxoplasma gondii wirksam. Eine Infektion von uns Menschen bietet dem Parasiten heute allerdings keine erkenntlichen Vorteile, da wir nur noch selten Raubkatzen zum Opfer fallen. Dennoch sprechen vorläufige Befunde dafür, daß Toxoplasma auch unsere Psyche subtil verändern kann: Es macht Frauen oft intelligenter, dynamischer und unabhängiger, Männer dagegen eifersüchtiger, konservativer und gruppenhöriger. Bei beiden Geschlechtern erhöht es die Neigung zu Schuldbewußtsein, was manche Psychologen als negative emotionale Grundhaltung deuten.Haben Parasiten den Charakter menschlicher Kulturen mitgeprägt? Wenn Toxoplasma gondii Männer tatsächlich traditionsbewußter und gruppentreuer macht, könnte es dafür mitverantwortlich sein, daß manche Kulturen mehr als andere die herkömmlichen Geschlechterrollen hartnäckig verteidigen oder Ehrgeiz und materiellen Erfolg über Gemütstiefe und menschliche Beziehungen stellen. Und könnte es sein, daß verringerte Offenheit gegenüber Neuem die Innovationskraft ganzer Kulturen geschwächt hat? Ausführliche Befragungen in neununddreißig Staaten sprechen in der Tat dafür, daß die negative emotionale Grundhaltung einer Bevölkerung umso ausgeprägter ist, je stärker diese mit Toxoplasma gondii infiziert ist. Natürlich läßt es sich nicht ganz ausschließen, daß kulturelle Eigenheiten nicht Folge, sondern Ursache der Infektion sind. Vieles spricht jedoch gegen diese Möglichkeit, sodaß Untersuchungen zur Rolle von Parasiten bei der Entwicklung menschlicher Kulturen noch eineige Überraschungen liefern könnten.
Die Vorstellung, daß Parasiten mein Denken und Handeln mitbestimmen könnten, verletzt mein Selbstverständnis und mein Menschenbild. Darf ich das Lied – Die Gedanken sind frei – immer noch mit der gleichen Überzeugung singen, wie ich es als Kind tat? Oder sollte ich versuchen, meine wissenschaftliche Sicht zu überwinden und die Natur als Ganzes zu fühlen, wie Künstler und Mystiker dies vermögen? Aus dieser Sicht wären gedankenverändernde Parasiten nur ein besonders großartiges Beispiel für die Einheit des Lebensnetzes auf unserem blauen Planeten. Unser Verstand schenkt uns ja auch die Waffen, um solche Parasiten zu erkennen und zu vernichten. Doch wer schützt uns vor den substanzlosen Parasiten, die sich unserer Gedanken und Emotionen bemächtigen? Es gibt ihrer zuhauf – Rassenwahn, religiöser Fanatismus, Nationalhysterie, Spiritismus und Aberglaube. Sie sind hochinfektiös und entmenschlichen uns mehr, als es Toxoplasma gondii je vermöchte. Solange wir nicht gelernt haben, diese unheimlichen Gäste rechtzeitig zu erkennen und wirksam zu bekämpfen, sind sie unsere größte Bedrohung.

Gottfried Schatz, Jenseits der Gene, Essays über unser Wesen, unsere Welt und unsere Träume. Verlag Neue Zürcher Zeitung 2011.

 

Die ganze Wirklichkeit geht weit über den Staub und Schmutz der Welt hinaus. Wer könnte an ein Mittel glauben, sie zu reinigen?

FUKANZAZENGI  Eihei Dôgen

Mit dem Geist
den Geist anzuwenden -
ist das nicht
ein großer Fehler?

SHINSHIN MEI
Kanchi Sôsan

> In den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts, als die quantenphysikalische Interpretation aufkam, verband das Wesen der Existenz die Physik plötzlich mit fernöstlichem Mystizismus – eine Beziehung, die einige Wissenschaftler seit damals beunruhigt. Bestimmte östliche Denkweisen besagen, daß die Welt weder aus Dingen noch aus Nichts bestehe, sondern ein Gewebe wechselwirkender Erscheinungen sei. Zur selben Erkenntnis ist auch die Quantenphysik gekommen. Wenn wir Objekte isolieren, ist genau diese Isolation illusorisch. Die tiefere Realität dahinter ist die untrennbare Welt, aus der sie herausgefiltert wurden. Die wissenschaftliche Methode legt Ringe um einzelne Phänomene, um sie zu beschreiben, und gewinnt dann aus diesen Beschreibungen die Naturgesetzte, die immer mehr Phänomene umfassen und miteinander verbinden. In den letzten Jahrzehnten ist es vorstellbar geworden, daß die Naturwissenschaft eine einheitliche Beschreibung der Natur finden könnte, eine Beschreibung, die zeigt, wie ein ungeteiltes Gewebe von Phänomenen sich in Gestalt von Einzelerscheinungen manifestiert. Weil die Methodik mit der Vorstellung von Einzelerscheinungen beginnt, ist es leicht zu glauben, daß die Vereinzelung die tiefere Realität sei, und dabei zu vergessen, daß der tiefere Sinn darin liegt, die Untrennbarkeit zu verstehen. Die Quantenphysik hat uns dahin gebracht, daß wir zu verstehen beginnen, was einige Mystiker schon immer gewußt haben: nämlich, wie eine Welt, die aus einzelnen Dingen zu bestehen scheint, aus der Welt der Untrennbarkeit hervorgeht, einer Welt ohne Dinge.<

Christopher Potter, „Sie Sind Hier“, Eine handliche Geschichte des Universums, München 2010, Seite 173-174.

Form unterscheidet sich nicht von Leerheit und Leerheit unterscheidet sich nicht von Form. Also ist Form Leerheit und Leerheit ist Form.

Herzsutra

> Das „Entstehen in gegenseitiger Abhängigkeit“ (pratitiyasamutpada, Pali paticcasamuppada) ist die Lehre von der organischen Verbundenheit aller Erscheinungen. Es handelt sich um eine dynamische Kausalität, nicht um eine einlinig-statische. Alles ist Wechselwirkung. Alles steht mit allem in Verbindung, und deshalb ist alles Ursache für bestimmte Wirkungen, die wiederum zur Ursache aller Erscheinungen werden. Jedes Glied in der Kette des Entstehens enthält alles anderen und trägt deshalb alle Möglichkeit und Wirklichkeit in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in sich.<

Vgl.z.B. MN 38, 17; MN 38, 20; MN 115,11, ausführlicher in MN 9, 21 – 66, bezogen auf das Leben eines Individuums in MN 38,26 – 40, in komprimierter Version MN 1, 171; MN 11, 16 und MN 75, 24f ( MN: Majjhima Nikaya, Palikanon mittlere Sammlung )

Michael von Brück, „Einführung in den Buddhismus“, Frankfurt a.M., 2007, Seite 133.

 

Das Vajracchedika Prajnaparamita Sutra - Aus dem Diamant Sutra nach Thich Nhat Hanh

Wenn, Subhuti, ein Bodhisattva an der Vorstellung festhält, dass ein Selbst, eine Person, ein Lebewesen oder eine Lebensspanne existiere, dann ist er kein echter Bodhisattva.

Wo es etwas gibt, das durch Zeichen unterscheidbar ist, da gibt es Täuschung. Wenn du die zeichenlose Natur der Zeichen sehen kannst, dann kannst du den Tathagata sehen.

Wenn du der Vorstellung von einem Dharma verhaftet bist, dann bist du auch der Vorstellung von einem Selbst, einer Person, einem Lebewesen und einer Lebensspanne verhaftet. Bist du in die Vorstellung verstrickt, dass es keine Dharmas gebe, dann bist du noch immer in der Vorstellung von einem Selbst, einer Person, einem Lebewesen und einer Lebensspanne gefangen. Darum dürfen wir uns den Dharmas nicht verhaften, noch der Vorstellung, dass Dharmas nicht existierten. Das ist die verborgene Bedeutung dessen, wenn der Tathagata sagt: ’Bhikkhus, ihr müsst wissen, dass alle Lehren, die ich euch gebe, ein Floß sind.’ Alle Lehren müssen aufgegeben werden, ganz zu schweigen von den Nicht-Lehren.

Die Lehren, die der Tathagata verwirklicht hat und von denen er spricht, können nicht als unabhängig und eigenständig existierend gedacht werden und können daher auch nicht beschrieben werden. Die Lehre des Tathagata ist weder selbst-existent noch nicht selbst-existent. Warum? Weil die edlen Lehrer sich von anderen nur hinsichtlich des Nicht-Bedingten unterscheiden.

Man tritt in keinen Strom ein, der Form ist, noch in einen, der Klang, Geruch, Geschmack, Berührbares oder Objekt des Geistes ist.

Einmal-Wiederkehr bedeutet gehen und noch einmal wiederkehren; aber in Wirklichkeit gibt es kein Gehen, genauso wie es kein Wiederkehren gibt.

In alten Zeiten, als der Tathagata unter dem Buddha Dipankara übte, da erlangte er nichts.

Die Vorstellung von einem Selbst ist keine Vorstellung, und die Vorstellungen von einer Person, einem Lebewesen und einer Lebensspanne sind ebenfalls keine Vorstellungen. Warum? Buddhas werden Buddhas genannt, weil sie frei von Vorstellungen sind.

Der Tathagata hat erklärt, dass alle Vorstellungen Nicht-Vorstellungen sind und alle Lebewesen Nicht-Lebewesen.

Subhuti, du musst wissen, dass die Bedeutung dieses Sutras jenseits von Gedanken und Worten liegt. Und ebenso liegt die Frucht, hervorgebracht durch das Annehmen und Praktizieren dieses Sutras, jenseits von Gedanken und Worten.

Würde jemand behaupten, der Tathagata habe höchsten, vollkommen erwachten Geist erlangt, so irrte er, denn es gibt keinen höchsten, vollkommen erwachten Geist, der zu erlangen wäre. Subhuti, der höchste, vollkommen erwachte Geist, den der Tathagata erlangt hat, ist weder erfassbar noch nicht erfassbar.

In welchem Geist ist diese Erklärung zu geben? Ohne sich in Zeichen zu verstricken, gemäß den Dingen, so wie sie sind, und ohne Aufgeregtheit. Warum? Alle zusammengesetzten Dinge sind wie ein Traum,
ein Phantom, ein Tautropfen, ein Blitz.
So meditiert man über sie,
so betrachtet man sie.

Buddha fragte: „Was denkst du, Subhuti, gibt es irgendein Dharma, das der Tathagata lehrt?" Subhuti erwiderte: „Der Tathagata hat nichts zu lehren, Weltverehrter."

Darüber hinaus, Subhuti, ist dieser Geist überall gleich. Weil er weder hoch noch niedrig ist, heißt er der höchste, vollkommen erwachte Geist. Die Frucht des höchsten, vollkommen erwachten Geistes wird durch die Übung aller heilsamen Handlungen verwirklicht im Geiste von Nicht-Selbst, Nicht-Person, Nicht-Lebewesen und Nicht-Lebensspanne. Subhuti, das, was heilsame Handlungen genannt werden, sind in Wirklichkeit nicht heilsame Handlungen. Und darum werden sie heilsame Handlungen genannt.

Subhuti, behaupte nicht, der Tathagata hege die Vorstellung: ,Ich werde eine Belehrung geben’. Denke nicht in dieser Weise. Warum? Wenn jemand sagt, der Tathagata habe etwas zu lehren, so verleumdet diese Person den Buddha, denn sie versteht nicht, was ich sage. Subhuti, einen Dharma-Vortrag zu halten bedeutet in Wirklichkeit, dass kein Vortrag gehalten wird. Das ist wahrhaft ein Dharma-Vortrag.

Wir müssen alle Wesen zum Ufer des Erwachens führen, doch nachdem diese Wesen befreit sind, denken wir in Wirklichkeit nicht, dass auch nur ein einziges Wesen befreit ist.' Warum ist das so? Subhuti, wenn ein Bodhisattva noch in die Vorstellung von einem Selbst, einer Person, einem Lebewesen oder einer Lebensspanne verstrickt ist, dann ist diese Person kein echter Bodhisattva.

Subhuti, sage nicht, der Tathagata hege die Vorstellung: ,Ich will die Lebewesen zum Ufer der Befreiung bringen.’ Denke nicht in dieser Weise, Subhuti. Warum ? In Wirklichkeit gibt es für den Tathagata kein einziges Wesen, das zum anderen Ufer zu bringen wäre. Würde der Tathagata meinen, dass es ein solches Wesen gebe, so wäre er der Vorstellung von einem Selbst, einer Person, einem Lebewesen oder einer Lebensspanne verhaftet. Subhuti, das, was der Tathagata ein Selbst nennt, hat seinem Wesen nach kein Selbst in dem Sinne, in dem gewöhnliche Menschen denken, dass es ein Selbst gebe. Subhuti, für den Tathagata ist niemand ein gewöhnlicher Mensch. Und darum kann er sie gewöhnliche Menschen nennen.

Jemand, der den höchsten, vollkommen erwachten Geist in sich erweckt, behauptet nicht, dass alle Objekte des Geistes nichtexistent und vom Leben abgetrennt seien.

Die Bedeutung von Tathagata ist ,Der von nirgendwoher kommt und nirgendwohin geht.' Und darum wird er ein Tathagata genannt.

 

Die Wirkung des Zen


Es gibt Menschen, die sagen, sie glauben an den Buddhismus oder an Zen und haben viele Jahre geübt, doch keinerlei Wirkung erzielt. Die Frage ist: Welche Wirkung erwarten sie denn?
Manche Menschen wollen berühmt sein oder etwas für sich gewinnen. Manche beten zu Buddhas oder Geistern, um Unglück abzuwenden oder das Schicksal gnädig zustimmen. Manche wollen sich Wissen aneignen, manche esoterische Praktiken vollziehen und übernatürliche Kräfte gewinnen. Manche üben Künste und Fertigkeiten, um andere zu übertreffen. Manche praktizieren das Heilen, um Krankheiten auszumerzen. Bei all diesen Dingen mag man von Wirkung reden, doch im Zen sieht das anders aus.

Es heißt: „Dies ist jedem innewohnend, im Gewöhnlichen nicht weniger als im Weisen. Es ist vollständig wie das Universum und ohne Mangel oder Überfluß.“
Wenn man jedoch Wirkung von der Übung des Buddhismus erwartet, wäre das wie Überfluß im Universum. Beides geht fehl.
Die dümmsten Narren sind jedoch die, die fürchten, keine Erleuchtung zu erfahren, selbst wenn sie Buddhismus praktizieren, und darum aufgeben, bevor sie richtig angefangen haben. Wer eine Erfolgsgarantie haben will, bevor er eine Anstrengung unternommen hat, wird es weder im Buddhismus noch anderswo weit bringen.
Einst sagte ein Zen-Meister, Die Zen-Meditation sei zwecklos, wenn die Geisteshaltung nicht klar sei. Das soll denen eine Warnung sein, die im Nebel der Unwissenheit sitzen und dies Zen-Meditation nennen.
Einige glauben, Neulinge im Zen sollten gar nicht meditieren, sondern Sûtras rezitieren, weil das leichter und der Verwirklichung zuträglicher sei. Die Schriften sagen jedoch: „Wenn die Geisteshaltung nicht stimmt, sind alle Übungen vergeblich.“

„ Der Geist selbst verwirklicht den Geist, der Geist selbst erweckt den Geist“

Musô Soseki, Gespräche im Traum

 

Sprachlos.
Ohnmächtig
Erschüttert.
 
Der volle Mond am Himmel
- in der Nacht.
Heute strahlendes, sonniges
Frühlingswetter.
Vögel zwitschern.
 
Ende des zweiten Weltkrieges wurde Sendai
bombardiert. Menschen starben. Häuser wurden
auseinandergerissen. Auch der Tempel von meinem
Meister Nishiyama Roshi lag in Schutt und
Asche.
 
In den letzten Jahren konnte der Tempel und mit
ihm auch Sendai, wieder aufgebaut werden. Dies
konnte nur dank den grossen Anstrengungen der
Menschen und Glück verwirklicht werden.
 
Heute sieht es in Sendai wieder ähnlich
aus, wie kurz nach dem Krieg. Menschen starben.
Durch das Seebeben und die Tsunami wurde ein grosser
Teil der Präfektur Miyagi eingeebnet. Einmal mehr
wird den Menschen grosse Kraft abverlangt. Viele haben
die Kraft zum Aufstehen und Weitergehen erhalten.
Diese Kraft wünsche ich allen.
 
Nishiyama Roshi und seine Familie sind wohlauf.
Daimanji steht noch immer. Nur kleinere Schäden
sind entstanden. Noch ist unklar, wie heftig die
nukleare Verseuchung Sendai und damit die ganze
Region treffen wird.
 
Es gibt Menschen, die die Kraft haben, sich dem Unaus-
weichlichen zu stellen. Einen anderen Weg, als sich dem
Unausweichlichen zu stellen gibt es nicht.
Unsere widersprüchliche Natur zu leben, ist der Weg.
 
schweigen,
sprechen,
sprechen, schweigen,
schweigen, weinen,
zürnen, schreien, erschlaffen,
schweigen.......
 
Sprachlos.
Ohnmächtig.
Erschüttert.
Ergeben.

Hogen Shuei Diethelm, 20.März 2011

 

„ Wie tut man gar nichts?“ fragte Pu, nachdem er lange gegrübelt hatte.
„ Das ist, wenn man es gerade tun will, und die Leute wollen von einem wissen: >Was willst du jetzt tun, Christopher Robin?<, Und dann sagt man: >Och, gar nichts<, und dann tut man`s einfach.“
„ Aha, verstehe“, sagte Pu.
„ Dies ist auch so eine Art Garnichts, was wir jetzt tun.“
„ Aha, verstehe“, sagte Pu wieder.
„ Es bedeutet, daß man einfach so vor sich hin geht, sich alle Sachen anhört, die man nicht hören kann, und sich nicht weiter darum kümmert.“
„ Aha! „ sagte Pu.
Sie gingen weiter, dachten an Dies und Das und kamen irgendwann an einen verzauberten Ort…
Pu der Bär, A.A. Milne, zehntes Kapitel, In welchem Christopher Robin und Pu an einen verzauberten Ort kommen. Und dort verlassen wir sie.

Loslassen ist
Natürlichkeit,
Soheit ist
ohne Gehen und Bleiben.
Sich dem eigenen Wesen anzuvertrauen,
ist Vereinigung mit dem Weg,
und die Sorgen werden zunichte,
als schlenderte man unbekümmert einher.
SHINSHIN MEI,  Kanchi Sôsan

Wenn ihr dann still und unbeweglich sitzt, „denkt aus dem Grund des Nicht-Denkens“. „Wie kann man aus dem Grund des Nicht-Denkens denken?“ „Es ist nicht wie das gewöhnliche Denken“ Dies ist die wesentliche Kunst des Zazen. In Zazen zu sitzen bedeutet nicht, Zen-Konzentration zu erlernen. Es ist einzig das Dharma-Tor des Friedens und der Freude.
FUKANZAZENGI, Eihei Dôgen

„…Folge lieber, statt unnützes Geschrei zu machen, meinen letzten Worten, die da lauten, dass du dich, je länger, desto besser, selbst erkennen sollst. Und wenn du so alt wie Methusalem werden solltest – vergiss doch diese Übung nie. Denn dass die meisten Menschen in Verdammnis geraten, liegt daran, dass sie nicht gewusst haben, was sie gewesen sind und was sie werden können oder werden müssen.“

Grimmelshausen, Der Abenteuerliche Simplicissimus Deutsch,
Erstes Buch, Das 12. Kapitel

Zen studieren bedeutet,
sich selbst studieren.
Sich selbst studieren bedeutet,
sich selbst vergessen.
Sich selbst vergessen bedeutet,
in Harmonie zu sein mit allem, was uns umgibt.

Dôgen, Shobogenzo, Genjo koan



Ihr Mönche, sucht nicht nach Worten und jagt nicht Erklärungen nach! Gehen, Stehen, Sitzen und Liegen, alle Verrichtungen des Alltags sind Wirkung eurer (eigenen) Natur. Wo seid ihr denn nicht im Einklang mit dem Weg? So hört mal auf (mit euerem Streben) und gönnt euch etwas Ruhe. Solange sie nicht von den Winden äußerer Einflüsse aufgestört werden, sind Bewußtsein und die (eigene) Natur ruhig wie unbewegtes Wasser. Alles Gute, auf Wiedersehen.
Dazhu Huihai

Mazu Daoyi, Dazhu Huihai, Grundlegende Reden und Aufzeichnungen des Chan-Buddhismus,  Berlin 2011, S.86

 

 

Es scheint, daß das Leben
Dergestalt ist, daß niemand
Es alleine vollenden kann.
Genauso wenig, wie es
Den Blumen genügt
Stempel und Staubbeutel zu haben
Müssen ein Insekt oder eine Brise
Den Staubbeutel zum Stempel führen.
Das Leben hat eine eigene Abwesenheit,
Die nur der Andere erfüllen kann.
Die Welt erscheint
Wie die Summe der Anderen
Und doch
Wissen wir und erfahren wir nicht,
Daß wir einander erfüllen.
Verstreut leben wir unser Leben
In perfekter Ignoranz des Anderen.
Bisweilen erlauben wir uns, die Gegenwart
Des Anderen unangenehm zu finden.
Wie kommt es,
Daß die Welt
Sich so lose zusammenhält?
Eine Stechmücke
In Licht gebadet
Fliegt an eine Blüte.
Vielleicht war auch ich
Jemandes Stechmücke
Vielleicht warst auch du
Eines Tages meine Brise.

Yoshino Hiroshi (16.01.1926)

aus KORE-EDA Hirokazu, „Air Doll“

 

Huilang sucht nach der Einsicht Buddhas

Huilang aus Tanzhou kam zum ersten Mal zu Mazu. Mazu fragte: Was suchst du hier?. Er antwortete: Ich suche nach der Einsicht Buddhas. Mazu antwortete: Buddha hatte keine Einsicht. Verstehen und Einsehen sind böse Geister. Wo kommst du her?. Er antwortete: Ich komme aus Nanyue. Mazu sagte: Du kommst also aus Nanyue. Kennst du noch nicht den Kern der Lehre von Caoxi? Gehe schnell dorthin zurück, es macht keinen Sinn, woandershin zu gehen.

Mazu Daoyi, Dazhu Huihai, Grundlegende Reden und Aufzeichnungen des Chan-Buddhismus,  Berlin 2011, S.43

Das Selbst geht nicht vom eigenen Selbst weg – das Selbst verlässt nicht das Hier und Jetzt, sondern kehrt sich von Grund auf um…
„Hier bleibend, vom Hier freiwerden, Hier bleibend, das Hier abstreifen“.

Shinchi Hisamatsu, Philosophie des Erwachens, Satori und Atheismus, Zürich 1990, S. 73

 

Wanderung

vom vom zum zum
vom zum zum vom

von vom zu vom

vom vom zum zum

von zum zu zum

vom zum zum vom
vom vom zum zum

und zurück

Ernst Jandl, Sprechblasen

 

Weshalb solltet ihr euren Sitz im eigenen Haus ablehnen, um ziellos in den staubigen Gegenden fremder Länder umherzuirren? Wenn ihr einen einzigen falschen Schritt tut, geht der jetzige Augenblick an euch vorbei. Habt ihr nicht euren menschlichen Körper als das wesentliche Werkzeug empfangen? Verschwendet nicht eure Zeit! Bewahrt und behütet den Kern der Buddha-Wahrheit. Wer wollte da flüchtige Freuden geniessen, die wie Funken vom Feuerstein springen? Nicht nur das, euer Körper ist wie ein Tautropfen auf einem Grashalm. Das Leben gleicht einem aufblitzenden Lichtstrahl. Plötzlich ist es verschwunden und verloren in einem Augenblick.

FUKANZAZENGI, Eihei Dôgen
Allgemeine Richtlinien für Zazen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

zurück zu DHARMA

ZEN DOJO BERN
© by Zenposan Bendoji
Hochfeldstrasse 113
CH-3012 Bern

Telefon 0041 (0)31 302 06 92
Fax 0041 (0)31 301 97 64

e-mail info@sotozen.ch